Apple-Geschichte

iPhone & Co.: So hat sich Apple ohne Steve Jobs verändert

Apple-Mitbe­gründer Steve Jobs starb vor zehn Jahren. Apple-Fans sahen für die Zukunft des iPhone-Konzerns schwarz. Doch es kam alles ganz anders.

Apple ohne Steve Jobs war eigent­lich unvor­stellbar. Doch vor zehn Jahren kam der unaus­weich­liche Tag: Am 5. Oktober 2011 verlor der charis­mati­sche Apple-Mitbe­gründer seinen langen Kampf gegen den Krebs. Jobs wurde nur 56 Jahre alt.

Sechs Wochen zuvor, am 10. August 2011, hatte der Apple-Chef noch seinen Vertrauten Tim Cook als neuen Konzern­lenker bestimmt. Diese Entschei­dung wunderte viele Beob­achter. Cook hatte sich als Logistik- und Produk­tions­experte einen Namen gemacht. Er ließ aber nicht im Ansatz das Charisma erkennen, mit dem Jobs regel­mäßig die Massen in seinen Bann gezogen hatte.

Jobs als Apple-Retter

Apple-Mitbegründer Steve Jobs Apple-Mitbegründer Steve Jobs
Bild: dpa
Zu den Skep­tikern gehörte damals Larry Ellison, der mit dem Apple-Mitbe­gründer jahre­lang eng befreundet war. Der Chef des Soft­ware­riesen Oracle glaubte, dass Apple ohne Steve Jobs dem Unter­gang geweiht sei. In einem TV-Inter­view zog er eine Paral­lele zum Jahr 1985, als der Apple-Aufsichtsrat Steve Jobs aus der Firma gedrängt hatte.

In den folgenden zwölf Jahren wurde Apple so runter­gewirt­schaftet, dass das Unter­nehmen 2019 kurz vor der Pleite stand und Jobs als Retter zurück­geholt wurde. "Wir haben Apple ohne Steve Jobs gesehen. Wir haben Apple mit Steve Jobs gesehen. Jetzt werden wir Apple ohne Steve Jobs sehen", sagte Ellison. "Steve Jobs ist uner­setz­lich."

Börsen­boom und Kunden­loya­lität

Doch es kam nach dem Tod von Jobs ganz anders, als Ellison es befürchtet hatte. Apple verkauft so viele Geräte und Dienst­leis­tungen wie noch nie. Im August 2018 ging der iPhone-Hersteller als erster US-Konzern in die Finanz­geschichte ein, der eine Billionen-Dollar-Bewer­tung an der Börse schaffte. Nur zwei Jahre später waren es zwei Billionen.

Neben dem Börsen­boom hat nach Experten-Einschät­zung vor allem die hohe Kunden­loya­lität zum Aufstieg beigetragen. "Wenn ein neuer Nutzer anfängt, ein Apple-Smart­phone zu benutzen, bleibt er in der Regel bei einem Apple-Smart­phone", erläu­tert Jeriel Ong, ein Akti­enana­lyst der Deut­schen Bank.

Und die Rally ist noch nicht zu Ende. Seit Oktober 2011 hat sich der Akti­enkurs von rund 13 Dollar auf ein Allzeit­hoch von knapp 150 Dollar gestei­gert. Außerdem verwöhnt Cook die Aktio­näre regel­mäßig mit Divi­denden, die Jobs stets abge­lehnt hat.

Cook gelang es, mit dem iPhone ständig neue Käufer­gruppen zu erobern. Außerdem baute er das Angebot von Zusatz­geräten wie der Computer-Uhr Apple Watch oder den AirPods-Ohrhö­rern aus und plat­zierte Abo-Dienste wie iCloud und Apple TV+ am Markt. Außerdem gelang es ihm, höhere Preise für seine Produkte zu verlangen, so dass inzwi­schen ein Groß­teil der Gewinne der gesamten Branche bei Apple landen.

Umwelt­schutz im Blick

Apple-Chef Tim Cook Apple-Chef Tim Cook
Foto: Picture Alliance / dpa
Ein großer Präsen­tator auf der Bühne ist Tim Cook aber auch bis heute nicht. Trotzdem hat er inzwi­schen eigene Akzente gesetzt, die ihn von seinem Vorgänger deut­lich absetzen. Ein Beispiel dafür ist das Thema Umwelt. Steve Jobs lieferte sich 2008 mit Vertre­tern von Green­peace noch hitzige Wort­gefechte, als die Umwelt­schützer ihn auffor­derten, in den Apple-Produkten auf bromierte Flam­men­schutz­mittel zu verzichten. Diese sind unter Umständen giftig, in der Umwelt schwer abbaubar und reichern sich in Lebe­wesen an.

Unter der Regie von Cook verzich­tete Apple nicht nur auf die umstrit­tenen Flam­men­schutz­mittel, sondern auch auf alle anderen Umwelt­gifte in der Produk­tion. Außerdem stellte er den Konzern komplett auf erneu­erbare Energie um. Dieses ambi­tio­nierte Projekt soll nun auch auf die komplette Liefer­kette ausge­dehnt werden.

Diese Verän­derung wurde auch von Green­peace regis­triert. "Seit Tim Cook die Leitung von Apple über­nommen hat, hat er den Umwelt­schutz zu einem wich­tigen Bestand­teil der Iden­tität des Unter­neh­mens gemacht", erklärte die Orga­nisa­tion 2017 bei der Veröf­fent­lichung eines Reports zu Umwelt­stan­dards bei Elek­tronik­her­stel­lern. Apple musste sich im Ranking "Greener Elec­tro­nics" nur dem Smart­phone-Anbieter Fair­phone geschlagen geben, weil die Geräte der Nieder­länder leichter zu repa­rieren sind.

Daten­schutz und Privat­sphäre

Neben dem Umwelt-Thema versucht sich Apple unter Cook auch stärker im Bereich Daten­schutz von der Konkur­renz abzu­setzen. So hat Apple im vergan­genen April seine iPhone-Soft­ware so verän­dert, dass Anbieter wie Face­book nun die Nutzer um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie ihre Akti­vitäten quer über verschie­dene Apps und Websites verfolgen wollen. Jobs hatte dieses Daten­schutz-Prinzip schon 2010 auf der Konfe­renz "D8" ange­kün­digt, über­ließ die Umset­zung aber seinem Nach­folger.

Beim Schutz der Privat­sphäre konnte sich Cook bereits 2016 vor einer großen Öffent­lich­keit profi­lieren. Damals verlangte das FBI von Apple, das iPhone-Betriebs­system iOS so zu mani­pulieren, dass die Straf­ver­folger nach einem Terror­anschlag in San Bernar­dino das gesperrte iPhone des Atten­täters durch­suchen können. Cook lehnte diese Forde­rung ab, weil man die Sicher­heits­funk­tionen der Produkte nicht unter­graben werde.

Cook musste bei diesem Thema aber auch Rück­schläge hinnehmen. So legte Apple Pläne für die Einfüh­rung einer Scan-Funk­tion auf dem iPhone auf Eis, mit der das Hoch­laden von Bildern von Kindes­miss­hand­lungen in die Cloud verhin­dert werden sollte. Zuvor hatte es einen Aufschrei der Entrüs­tung gegeben, dass Apple im berech­tigten Kampf gegen Kinder­por­nografie den falschen Weg einge­schlagen habe.

Bislang kein revo­lutio­näres "One more thing"

Das größte Manko der Cook-Ära ist aller­dings, dass der Jobs-Nach­folger bislang noch nicht mit einem revo­lutio­nären neuen Produkt aufwarten konnte. Sein Vorgänger zauberte regel­mäßig ein "One more thing" aus dem Hut, das ganze Bran­chen umkrem­pelte: 1999 den iMac, 2001 den iPod und den Musik­dienst iTunes, 2007 das revo­lutio­näre iPhone und 2010 das iPad. Unter Cook ranken sich zwar Gerüchte zu umwäl­zenden Neupro­dukten wie einem Apple-Auto oder einer Brille für Augmented-Reality-Anwen­dungen, doch bislang warten die Apple-Fans vergeb­lich darauf.

Cook-Kritiker verweisen in diesem Zusam­men­hang auf ein Zitat von Steve Jobs, das in der alten Apple-Firmen­zen­trale in großen Buch­staben an der Wand geschrieben steht: "Wenn du etwas tust und es sich als ziem­lich gut heraus­stellt, dann soll­test du etwas anderes Wunder­bares tun und dich nicht zu lange damit aufhalten. Überleg dir einfach, was als Nächstes kommt."

Die neuen iPhone-Modelle iPhone 13 Pro Max, iPhone 13 Pro und iPhone 13 mini haben wir bereits getestet.

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