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Trotz Schmerzsyndrom

Sensationelle Zeit! Australier bricht Weltrekord im Planken

Weltrekord im Planken: Der Australier Daniel Scali iim Unterarmstütz bei den Guiness World Records
Geschafft: Mit 9 Stunden, 30 Minuten und 1 Sekunde schaffte der Australier Daniel Scali einen neuen Weltrekord im PlankenFoto: Andrew Wyrill

Kaum zu fassen, was der Australier Daniel Scali für den neuen Weltrekord im Planken geleistet hat. Er überbot die bereits unglaubliche Bestmarke von George Hood, der Anfang 2020 mehr als acht Stunden im Unterarmstütz verbrachte. Scali hielt über eine Stunde länger durch und das auch noch unter erschwerten, gesundheitlichen Bedingungen. hat mit ihm gesprochen.

Wer es schon mal ausprobiert hat, wird sicher bestätigen: Schon mehrere Minuten am Stück zu planken, ist bereits eine echte Herausforderung. Ein Hobbysportler kann mit Recht stolz auf sich sein, wenn er es fünf Minuten geschafft hat. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was die Weltrekord-Aspiranten in dieser Sportübung regelmäßig hinlegen. Nachdem der ehemalige Marinesoldat George Hood im vergangenen Jahr 8 Stunden, 15 Minuten und 15 Sekunden im Unterarmstütz verbrachte, knackte nun der Australier Daniel Scali diese Zeit deutlich. Mit 9 Stunden, 30 Minuten und 1 Sekunde stellte er den neuen Weltrekord im Planken auf. Schon an sich sensationell. Doch Scali schaffte dies auch noch unter enormen Schmerzen. Denn er leidet seit seiner Kindheit am komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS).

Weltrekord im Planken – trotz oder wegen CRPS?

Für Scali hat das Planken eine ganz besondere Bedeutung. Sport im Allgemeinen, besonders aber der Unterarmstütz, halfen dem Australier dabei, seine chronischen Schmerzen besser auszuhalten. Mit 12 Jahren hatte er sich nach einem Sturz vom Trampolin den linken Arm gebrochen. Der Bruch heilte zwar, doch blieb das komplexe regionale Schmerzsyndrom zurück. „Ich habe mit Planks während einer Trainingssession mit Freunden im Garten angefangen und gemerkt, dass Training und Fitness meinem Schmerzmanagement sehr guttun. Ich wusste, dass ich mir Schmerzen zufüge, wenn ich Druck auf meinen Arm ausübe. Aber irgendwie tat sich nach der Session etwas. Nach der ersten Verschlimmerung des Schmerzes fühlte sich mein Arm plötzlich besser an“, verriet Scali im -Interview.

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Leider hatte Planken keinen dauerhaften Verbesserungseffekt. Dennoch packte den Australier der Ehrgeiz. Denn er sah im Planken und dem Versuch, den Weltrekord zu knacken, eine Möglichkeit, auf chronische Schmerzen aufmerksam zu machen. „Ich hatte ein Ziel vor Augen und meine Schmerzen sollten mich nicht daran hindern, es zu erreichen. Da ich so lange mit ihnen zu kämpfen hatte, habe ich das Glück, dass ich gelernt habe, mit Schmerzen umzugehen und sie zu meinen Freunden zu machen. Niemand mag Schmerzen, aber wenn man sie anders behandelt und sie willkommen heißt, kann man ihnen manchmal einfach die Schärfe nehmen“, erklärt Scali.

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9,5 Stunden Planken – eine Grenzerfahrung

Stundenlang planken – klar, dass dies kein Spaziergang ist. Um Hoods unglaubliche Zeit überbieten zu können, musste Scali über seine Grenzen hinausgehen. Was ihm dabei half: seine mentale Stärke und das Wissen, dass er mit seinem Schmerzsyndrom bereits das Schlimmste bewältigt – und zwar jeden Tag. „CRPS wird auf dem McGill-Schmerzindex mit 42 von 50 Punkten bewertet, was höher ist als eine Geburt oder die Amputation eines Fingers im schlimmsten Fall. Also wusste ich, dass das Planken nicht an diese Werte heranreichen würde, was mir mehr Kraft gab, als ich sie brauchte. Das Planken ist sehr anstrengend für den Körper, aber man muss lernen, seinen Verstand zu kontrollieren, denn der schreit einem zu, dass man runtergehen soll, während ein anderer Teil von einem sagt, dass es einem gut geht und man noch mehr in sich hat. Es liegt an dir, auf welche Seite du hören willst“, so Scali im Gespräch mit .

Aus diesem Grund gab er während des Weltrekordversuchs nicht auf – nicht als seine Beine anfingen zu brennen bei Minute 14, als sein einst gebrochener Arm Ärger bereitete. Und auch nicht, als er sich bei Stunde 7 übergeben musste. Der Champion hielt durch und plankte am Ende sage und schreibe 9 Stunden, 30 Minuten und 1 Sekunde!

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Wie bereitet man sich auf 9 Stunden langes Planken vor?

Der frühere Halter der Bestmarke, George Hood, verriet nach seinem erfolgreichen Weltrekord, dass sein 18-monatige Training aus täglich 4 bis 5 Stunden Planking, 700 Push-ups, 2000 Sit-ups (in 100er Sets), 500 Kniebeugen und 300 Bizepscurls bestanden habe. Außerdem habe er über die Jahre perfektioniert, sich mental vom Konzept Zeit lösen zu können. Auch Scali trainierte hart, um für den Weltrekordversuch in absoluter Höchstform zu sein: „Ich machte täglich über 500 Liegestütze, 600 Sit-ups, 500 Armbeugen mit Widerstand und plankte jede Nacht 5 Stunden lang. Außerdem trainierte ich tagsüber eine einzelne Muskelgruppe, um meine Muskeln zu konditionieren, ging 4 km laufen und trainierte im Fitnessstudio, um meine allgemeine Fitness aufrechtzuerhalten.“ Wie Hood wusste der neue Champion, dass es auch auf die geistige Stärke ankommen würde. Deshalb setzte er neben den Fitness-Workouts auf mentales Training.

Hier können Sie sich den Weltrekord im Planken, den Hood 2020 aufstellte, noch einmal ansehen:

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Wie geht es Daniel Scali jetzt?

Nach dem „Longest Male Abdominal Plank“ zeigt sich der Australier Daniel Scali überglücklich. „Worte können die Gefühle nicht beschreiben, die mich nach der Bekanntgabe des Rekords durchströmten. Der Schmerz, die Angst, das Blut, das Erbrechen, die ganze Zeit war es wert, es hat mir alles abverlangt, und ich bin so froh, dass ich dies im Namen aller Menschen tun konnte, die unter chronischen Schmerzen leiden“, schwärmte er. Während der 62-jährige George Hood nach seinem Erfolg seine Planking-Karriere an den Nagel gehängt hatte, steht Scali bereits wieder voller Elan im Fitnessstudio.

Es könnte also durchaus sein, dass er in der Zukunft irgendwann noch einmal für einen neuen Weltrekord antreten könnte. Bis dahin hat er eine Botschaft an alle, die wie er an chronischen Schmerzen leiden: „Lasst nicht zu, dass der Schmerz die Person bestimmt, die ihr seid oder die ihr sein wollt, lasst ihn als Treibstoff für die Person dienen, von der ihr wisst, dass ihr sie sein könnt.“

Wer Lust aufs Planken bekommen hat, kann mit folgendem Video mit dem „Hauptstadttrainer“ die richtige Technik lernen:

Und: Nur nicht zu schnell aufgeben! Am Anfang ist es normal, wenn der Körper nach 20 bis 30 Sekunden zu zittern beginnt. Das heißt nicht, dass man schon fertig ist. Da geht noch was! Achten Sie aber immer darauf, dass der Körper von Kopf bis Fuß eine gerade Linie bildet und weder Hohlkreuz entsteht, noch der Hintern zu sehr angehoben wird. Viel Spaß!