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UKW-Abschaltung in der Schweiz wird verschoben

Der Druck von Radio­pio­nier Roger Scha­winski und Hörfunk­sta­tionen in der fran­zösi­schen Schweiz hat gewirkt: UKW wird nun doch nicht bereits Anfang 2023 abge­schaltet.

Im Jahr 2014 haben sich die Schweizer Radios darauf verstän­digt, die analoge UKW-Verbrei­tung ihrer Programme spätes­tens 2010 zugunsten von Inter­net­radio und DAB+ abzu­schalten. Da Ende des vergan­genen Jahres knapp drei Viertel der Radio­nut­zung digital war, kam die Radio­branche zur Auffas­sung, dass unter diesen Bedin­gungen eine vorge­zogene und gestaf­felte Abschal­tung der UKW-Sender im August 2022 (SRG) und im Januar 2023 (Privat­radios) zu verant­worten wäre. Darauf einigten sich 42 von 44 Radio­ver­anstal­tern und die SRG.

In den vergan­genen Wochen ist die UKW-Abschal­tung aller­dings öffent­lich disku­tiert worden, vor allem ange­trieben durch Radio­pio­nier Roger Scha­winski, der einen UKW-Ausstieg ablehnt und gegen die Abschal­tung klagen wollte. In der Deutsch­schweiz und in der italie­nischen Schweiz ist die große Mehr­heit der Radio­ver­anstalter nach wie vor für die vorzei­tige Abschal­tung von UKW.

In der fran­zösisch­spra­chigen Schweiz konnte indes in der konkreten Umset­zung keine genü­gende Mehr­heit gefunden werden. Da es eine gesamt­schwei­zeri­sche Lösung braucht, sind die Radios deshalb auf ihren ursprüng­lichen Plan zurück­gekehrt, die UKW-Sender am 31. Dezember 2010 abzu­schalten. Zudem deuten die neusten Markt­zahlen darauf hin, dass die Hörer mehr Zeit für die Umstel­lung brau­chen.

Auto­fahrer brau­chen mehr Zeit für Umrüs­tung

In der Schweiz wird UKW nun doch weiterlaufen In der Schweiz wird UKW nun doch weiterlaufen
Quelle: YouTube, Screenshot: Michael Fuhr
Mit dieser Verschie­bung haben die Konsu­menten, nament­lich auch die Auto­fahrer, mehr Zeit für den Tech­nolo­gie­wechsel. In der Schweiz beträgt der Anteil der DAB+-taug­lichen Neufahr­zeuge seit 2020 zwar nahezu 100 Prozent. Nach­rüst­bedarf besteht vor allem in älteren Autos, die über keine Empfangs­mög­lich­keit via DAB+ oder andere digi­talen Wege verfügen. Entspre­chende Nach­rüst­sets sind in verschie­denen Preis­klassen am Markt verfügbar. Neuwagen aus der EU müssen seit 2019 stan­dard­mäßig auch in der Schweiz über eine Empfangs­mög­lich­keit via DAB+ verfügen.

Die Radio­branche sei sich aller­dings bewusst, dass UKW nach 2010 keine Zukunft mehr habe. Ende 2010 laufen die bestehenden Konzes­sionen aus. Ab diesem Zeit­punkt sollen in der Schweiz keine UKW-Programme mehr verbreitet werden.

Bis Ende 2010 würden sich die Rahmen­bedin­gungen für DAB+ noch­mals verbes­sert haben. Die Digi­tali­sie­rung der Radio­nut­zung nimmt bis zum Abschalt­datum weiter zu. Es werden noch mehr Geräte im Markt sein, und die Nach­rüs­tung der Autos wird weitere Fort­schritte machen.

Verschie­bung der UKW-Abschal­tung kostet Millionen

Die Verschie­bung der UKW-Abschal­tung auf den ursprüng­lich geplanten Termin vom 31. Dezember 2010 ist für die Radio­ver­anstalter mit Kosten in mehr­stel­liger Millio­nen­höhe verbunden. Die doppelte Verbrei­tung der Programme sowohl über UKW als auch DAB+ kann sich kein Radio­ver­anstalter auf Dauer leisten und ist auch unter ökolo­gischen Aspekten wenig sinn­voll.

Für rein digital sendende klei­nere Anbieter könnte die Beibe­hal­tung von UKW sogar das Aus bedeuten, da sie weniger Reich­weite haben, solange sich nicht alle poten­ziellen Hörer ein Digi­tal­radio ange­schafft haben.

Gene­rell ist DAB+ in Europa noch ein Flicken­tep­pich.

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