Limehome - Die digitale Revolution der Hotelbranche Limehome - Mitgründer Dr. Josef Vollmayr im Interview
  • Kai Paul
Interview mit Co-Gründer Dr. Josef Vollmayr

Limehome - Die digitale Revolution der Hotelbranche

Limehome, der erste Anbieter einer vollständig kontaktlosen Hotelerfahrung, konnte auch in Zeiten der Corona-Krise weiter stabil wachsen und schafft so neue Perspektiven für die Digitalisierung der Hotellerie-Branche. Das Münchner Unternehmen betreibt Design-Unterkünfte in Stadtzentren und Business Hotspots. Wir sprachen mit Dr. Josef Vollmayr, einem der beiden Gründer von Limehome, über das Konzept und dessen Vorteile und die Expansionspläne des Unternehmens.

Business & More: Herr Dr. Vollmayr, wie kamen Sie auf die Idee, mit Limehome einen vollständig kontaktlosen Hotelbesuch in deutschen Städten anzubieten? Haben Sie einen Hintergrund im Hotel- oder Gastronomiebereich?

Dr. Josef Vollmayr: Eigentlich nicht, mein Co-Gründer Lars Stäbe und ich waren ganz klassische Berater, viel unterwegs und haben deshalb unzählige Nächte in Hotels weltweit verbracht. Dadurch wissen wir, worauf es in einem Hotel ankommt und woran es häufig mangelt. Mit unserer Idee eines digitalen Hotelkonzepts stießen wir auf offene Ohren und hatten früh Investoren an unserer Seite, die an unser Unternehmen geglaubt haben.

limehome gruender

Die Gründer von Limehome: Josef Vollmayr und Lars Stäbe (re.)

Worauf kam es Ihnen bei der Umsetzung Ihres Konzeptes dann an?

Als wir Limehome gegründet haben, ging es uns bei der Gestaltung der kontaktlosen Customer Journey vorrangig um den Komfort der Berufs- aber auch Städtereisenden, die oftmals wenig Zeit und Nerven für den klassischen Check-In – der manchmal eben auch nur zu bestimmten Zeiten möglich ist – mitbringen und sich freuen, wenn die Rechnung direkt an den Arbeitgeber, beziehungsweise ins E-Mail Postfach kommt. Heute hat der Aspekt, dass alles von der Buchung bis zum Check-In kontaktlos über die Bühne geht, durch Corona natürlich noch einmal eine andere Gewichtung.

Sie sprechen die Corona-Krise an, inwieweit hat diese sich diese auf die Buchungszahlen bei Limehome ausgewirkt?

Selbstverständlich gab es Ende März auch durch den Lockdown zunächst einen Einbruch und auch zahlreiche Stornierungen. Dadurch, dass unsere Apartments auch für längerfristige Aufenthalte ausgelegt sind, hatten wir aber im Prinzip durchweg eine relativ gute Nachfrage. In der Tat kommen die Vorteile unseres Systems, die komplett kontaktlose Abwicklung zum Beispiel, in solchen Zeiten noch stärker zum Tragen. Seit Mitte Juni sind wir buchungsseitig wieder auf Vorkrisenniveau.

Die Reisebranche insgesamt hat aber nach wie vor zu kämpfen. Ohne Veranstaltungen und bei weiterhin geringer geschäftlicher Reisetätigkeit, sind die Preise für Übernachtungen in Städten bei weitem noch nicht auf Vorkrisenniveau.

Letztlich betrachten wir die Corona-Krise als gute Bewährungsprobe für unser Geschäftsmodell. Dank unserer schlanken Kostenstruktur sind unsere Limehomes sehr gut ausgelastet und trotz des etwas niedrigeren Preisniveaus weiterhin profitabel. Das ermutigt uns natürlich auch für die Zukunft, wenn man selbst eine solche alles umfassende Krise so gut übersteht.

Limehome

Wie sieht denn der typische Limehome-Kunde aus? Ist er beruflich oder doch eher privat unterwegs?

Sowohl als auch, das ist stark standortabhängig. In Bamberg, Erfurt oder Dresden beispielsweise beherbergen wir vermehrt Touristen, andernorts wie in Augsburg oder Aachen zum Beispiel haben wir viele Projektarbeiter oder Geschäftsreisende als Gäste. Im Prinzip ist unser Konzept aber für beide Zielgruppen, sowohl für alleine oder mit der Familie Reisende optimal. Wir bieten Apartments verschiedenster Größen an, sodass für jeden etwas Passendes dabei ist. Was gleich bleibt, sind unser Design, eine volle Ausstattung mit Küche, der Hotelstandard in einer guten Lage – das bieten wir unseren Gästen unabhängig der Stadt und Unterkunft.

Was sind denn Ihrer Ansicht nach die größten Vorteile eines Limehomes im Vergleich zu einem herkömmlichen Hotel?

Da gibt es natürlich zwei Perspektiven, einerseits aus Kundensicht und andererseits aus betrieblicher Sicht. Für unsere Kunden gilt, dass sich bei uns niemand einschränken muss. Der Gast kann bei uns arbeiten, er kann kochen, er kann sich ausruhen, kann kommen und gehen, wann er möchte. Er hat fast das Gefühl, zu Hause zu sein. Ein sehr effizientes System. Außerdem bietet sich vor allem Geschäftsreisenden der Vorteil, dass die Rechnungen komplett automatisiert digital gestellt werden, sodass die Abrechnung aus Sicht der Arbeitgeber deutlich vereinfacht wird. Nicht zuletzt können wir das Budget, das andere Hotels für Personal vor Ort einplanen müssen, in die hochwertige Ausstattung unserer Apartments investieren – der Kunde zahlt bei uns jedoch für ähnliche Qualitätsstandards vergleichsweise weniger.

limehome digitaler check in

Kontaktloser Check-In via Zugangscode

Aus wirtschaftlicher Sicht ist unser Konzept ebenfalls sehr interessant. Durch die schlankeren Kostenstrukturen können wir auch kleine Apartments profitabel betreiben. Darüber hinaus gestaltet sich die Suche nach neuen Immobilien bei einzelnen Apartments natürlich deutlich einfacher – große Hotels suchen teilweise bis zu 10 Jahre nach neuen Standorten. Hinzu kommt, dass unser Risiko nicht so hoch ist, wie bei großen Hotels. Wir sind zwar in Deutschland immer flächendeckender vertreten, müssen aber an keinem Standort wie größere Hotelketten 100 oder mehr Zimmer füllen. An den jeweiligen Standorten fallen außer für das Reinigungspersonal und unsere City-Manager, die vor Ort jeweils für den Notfall bereitstehen, wie beschrieben die Personalkosten weg. All das erleichtert unsere Kalkulation natürlich ungemein.

Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie neue Standorte aus, was muss eine Stadt mitbringen?

Zunächst einmal haben wir von Beginn an eine Liste mit potentiellen Städten in Deutschland und Österreich erstellt – inzwischen ist auch Spanien dabei – auf der bereits über 400 Städte stehen, die wir nach und nach abarbeiten. Wenn wir nun in einer dieser Städte eine Gewerbeimmobilie im Blick haben, prüfen wir zunächst die Rentabilität. Erfüllt das Projekt unsere vorab definierten Kriterien, geht es bezüglich der Genehmigungen zu den Behörden und in die Gespräche mit den Eigentümern. So geht es Schritt für Schritt weiter, bis wir eine neuen Standort erschlossen haben. Aktuell haben wir 43 Standorte, bis Ende des Jahres planen wir, 30 weitere zu eröffnen.

Gibt es denn bestimmte Wunschstädte, die Sie gewissermaßen unbedingt noch „erobern“ wollen?

Natürlich hätten wir hier am Firmenstandort in München gerne ein Apartment in Toplage, um Geschäftspartnern oder auch potentiellen Investoren einen optimalen Showcase vorführen zu können – deshalb steht München da ganz oben auf der Wunschliste. Aber wie gesagt, wir sind inzwischen auch in Spanien aktiv, arbeiten an tollen Städten wie zum Beispiel Granada, Sevilla oder Valencia. Man muss aber sagen, dass aus wirtschaftlicher Sicht gerade die nicht ganz so großen Städte sehr interessant für uns sind. In Berlin beispielsweise ist die Preisspanne im Hotelbereich enorm, liegt zwischen 20 und 300 Euro, in Einzelfällen natürlich noch wesentlich höher. Ob Hostel, Serviced Apartment oder Hotel, der Wettbewerb deckt hier einfach ein deutlich breiteres Spektrum ab. In einer kleineren Stadt ist das nicht so, da haben wir mit unserem Konzept ein eindeutiges Alleinstellungsmerkmal. Klar haben Städte wie Berlin oder Barcelona mehr internationale Anziehungskraft als Aachen – aber Aachen ist für uns deshalb nicht weniger attraktiv.

Alle weiteren Infos finden Sie unter: www.limehome.com

 
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